Dieser Fall begegnet mir in der Beratung immer wieder. Und häufig fehlt dabei ein bestimmter Wert – Ferritin.
Was Ferritin ist
Ferritin ist der Speicherwert für Eisen. Er zeigt, wie viel Eisen dein Körper in Reserve hat.
Im Standardblutbild wird meist Hämoglobin bestimmt, also der rote Blutfarbstoff. Das ist der Wert, der entscheidet, ob eine Blutarmut vorliegt. Der Haken: Der Körper hält das Hämoglobin lange stabil, indem er auf die Reserven zurückgreift. Die Speicher können also über Monate leer laufen, während das Hämoglobin noch unauffällig aussieht.
Anders gesagt: Ein normales Hämoglobin bedeutet nicht automatisch, dass deine Eisenspeicher gefüllt sind.
Warum Frauen besonders betroffen sind
Frauen verlieren mit jeder Menstruation Eisen. Bei einer starken oder langen Blutung summiert sich das über die Jahre erheblich. Dazu kommen Phasen, in denen der Bedarf ohnehin steigt – Schwangerschaft, Stillzeit, die Zeit nach einer Geburt.
Auch die Ernährung spielt eine Rolle. Pflanzliches Eisen wird schlechter aufgenommen als tierisches, weshalb vegetarisch oder vegan lebende Frauen genauer hinschauen sollten.
Symptome, die dazu passen können
- anhaltende Erschöpfung, die durch Schlaf nicht besser wird
- Konzentrationsprobleme und das Gefühl, langsamer zu denken
- vermehrter Haarausfall
- brüchige Nägel
- Frieren, auch wenn es anderen warm genug ist
- Kurzatmigkeit bei Belastung, die früher kein Problem war
- innere Unruhe oder unruhige Beine am Abend
Keines dieser Symptome ist ein Beweis. Sie alle können viele Ursachen haben. Aber wenn mehrere zusammenkommen und sonst nichts gefunden wurde, lohnt der Blick auf die Eisenspeicher.
Die Sache mit den Referenzwerten
Hier liegt ein Punkt, der viele Frauen verunsichert. Laborwerte werden mit einem Referenzbereich angegeben, und alles innerhalb dieses Bereichs gilt als unauffällig.
Ein Referenzbereich beschreibt aber, was in einer Bevölkerungsgruppe häufig vorkommt. Er sagt nichts darüber, bei welchem Wert du selbst dich gut fühlst. Gerade beim Ferritin ist die Spanne sehr weit – und Werte am unteren Rand gelten formal als normal, obwohl sie beschwerdefrei nicht bei jeder reichen.
Das ist kein Vorwurf an die Praxis. Referenzbereiche sind dafür gemacht, Krankheiten abzugrenzen, nicht dafür, Wohlbefinden abzubilden.
Was du konkret tun kannst
Frag gezielt nach. Ferritin wird selten mitbestimmt, wenn niemand danach fragt. Ein Satz reicht:
So kannst du es formulieren
„Ich möchte gern zusätzlich mein Ferritin bestimmen lassen. Meine Blutung ist stark und ich bin oft erschöpft.“
Bring deinen Verlauf mit. Seit wann besteht die Erschöpfung, wie stark ist deine Blutung, an welchen Zyklustagen ist es schlimmer? Aus einem Gefühl wird damit ein Verlauf – und darüber lässt sich im Termin anders sprechen.
Nimm nichts auf Verdacht ein. Eisenpräparate ohne vorherige Messung sind keine gute Idee. Zu viel Eisen ist ebenso ein Problem wie zu wenig, und ohne Ausgangswert weißt du hinterher nicht, was gewirkt hat.
Denk den Zusammenhang mit. Eisen steht nie allein. Schilddrüse, Zyklus, Ernährung und Belastung hängen zusammen. Ein einzelner Wert erklärt selten das ganze Bild.